Aosta: auf heiligen Pfaden

Aosta

Besichtigungsregeln

Wie: zu Fuß.
Empfohlene Dauer: ein halber Tag.
Beste Jahreszeit: das ganze Jahr über.
Länge: ca. 2 km.

Ein ganz besonderer Rundgang zu den ältesten und bedeutendsten Kultstätten der Stadt, der durch „geheime“ Gassen und Straßen, vorbei an Gärten, Parks und altem Mauerwerk führt...

Wir beginnen unseren Rundgang im Herzen der antiken Stadt, am Stadttor Porta Praetoria. Im Norden erhebt sich der imposante Herrenturm des Stadttors Sant’Orso, das den Eingang zum mittelalterlichen Stadtviertel von Sant’Orso bildet. Hier nimmt man die Via Sant’Anselmo und biegt nach einigen Metern links ab, um seinen Weg in Richtung Stiftskirche der Heiligen Petrus und Ursus fortzusetzen; diese Kirche, die Geschichte und Mystik greifbar werden lässt, geht in ihren Ursprüngen bis ins Frühchristentum zurück und gilt seit jeher als Symbol der Religiosität im Aostatal. Über Jahrhunderte wurde die Stiftskirche Sant’Orso von Adeligen, Regierenden und Prälaten bevorzugt zur Grabeskirche gewählt und beherbergt als solche archäologische Schätze des Christentums sowie der Kunstgeschichte. Hier befindet sich auch das berühmte „Magische Quadrat“: ein eleganter quadratischer Mosaikteppich aus dem 11./12. Jahrhundert, der 1999 im Zuge von archäologischen Ausgrabungen ans Licht gebracht wurde und noch heute viele Rätsel offen lässt. Die Kirche hütet aber einen weiteren Schatz: den wunderschönen Freskenzyklus im Dachboden, der auf die Zeit der Ottonen (Anfang des 11. Jahrhunderts n. Chr.) zurückgeht und über Jahrhunderte unter einer Zwischendecke verborgen blieb, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts eingefügt worden war. Neben der Kirche befindet sich der wunderschöne romanische Kreuzgang, der mit seinen 40 bebilderten Marmorkapitellen das ganze Jahr über unzählige Gelehrte und Besucher anlockt.
Wenn man den Kreuzgang verlässt, trifft man links vom Kirchplatz auf das herrliche Priorat aus der Renaissancezeit mit seinen raffinierten und ebenso ungewöhnlichen Sprossenfenstern aus geschnitzter Terrakotta, die Prior Giorgio di Challant Ende des 15. Jahrhunderts anfertigen ließ.
Auf der rechten Seite hingegen erhebt sich der imposante Romanische Glockenturm, der eigentlich als Verteidigungsturm errichtet wurde, wie die stark erhöhte Position des Eingangstors auf der Ostseite zeigt.
Die nahe gelegene kleine Kirche San Lorenzo versteckt hinter ihrem spätgotischen Aussehen schließlich frühchristliche Ursprünge (frühes 5. Jahrhundert n. Chr.); hier wurden die Gräber wichtiger Bischöfe aus Aosta, darunter auch Grato (Patron der Diözese), entdeckt, die alle auf die zweite Hälfte des 5. und das 6. Jahrhundert n. Chr. zurückzuführen sind. Links vom heutigen Kirchengebäude führt ein Weg zur Unterirdischen Ausgrabungsstätte.
Es geht weiter über die Via Sant’Orso, die kurzerhand in einen ländlichen Teil der Stadt führt, in dem sich Blumen- und Gemüsegärten befinden: Hier befindet sich auch der antike Monumentalfriedhof des Stadtteils Sant’Orso, wo zahlreiche wichtige Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik des Aostatals ruhen.
Wenn man nach links abbiegt, erreicht man die nord-östlichen Ecke der römischen Stadtmauer von Aosta, wo sich der mächtige quadratische Turm der Balivi erhebt. In Anlehnung an diesen Turm entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein Gebäudekomplex, der erst dem Adelsgeschlecht De Palatio als städtisches Anwesen diente und dann zum Sitz der Vögte in Person des Herzogs von Savoyen und der Gerichtsvollzieher wurde. Von 1430 bis 1984 befand sich hier das Stadtgefängnis, nach einer zehnjährigen Restaurierung soll nun das regionale Musikinstitut eingerichtet werden. Die Nordfassade des Gebäudes, die sich an die römische Stadtmauer anschließt, begleitet uns durch die Via Guido Rey bis zum Durchgang auf der linken Seite, der uns den Weg zum historischen Kloster der Heiligen Katharina freigibt, das im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Innerhalb der Klostermauern finden sich die Überreste des römischen Amphitheaters von Augusta Praetoria. Am Klostereingang zieht ein kostbares Fresko aus dem späten 15. Jahrhundert alle Blicke auf sich; jenseits der Mauer steht der kleine aber elegante Turm der Klosterkapelle, der auf das 13. Jahrhundert zurückgeht.
Wenn man die Via Xavier de Maistre überquert, erreicht man die Via San Giocondo (einst Rue des Prêtres): Hier, zwischen alten niedrigen Gebäuden und Obstbäumen, fühlt man sich tatsächlich wie auf dem Land. Im Mittelalter galt dieser Weg als Zugang zum geistigen Viertel der Stadt, wo man vom Asylrecht profitieren konnte. Dieses Viertel entsprach dem Bereich, der sich heute zwischen Via Abbé Chanoux (im Norden, parallel zu Via San Giocondo), Piazza Roncas (im Westen), Via De Sales (im Süden) und schließlich Via Xavier de Maistre (im Osten) befindet. Entlang diesem Weg fand bis 1808 jene Prozession statt, die als des Immunités bekannt ist.
Sobald man die Piazza Roncas erreicht hat, steht man vor der Fassade des Palais Roncas. Dieses Gebäude, das zurzeit renoviert wird, gilt als eines der elegantesten Anwesen der Stadt, wurde im 16. Jahrhundert errichtet und beherbergt in seinem Inneren wunderschöne Fresken und „Grotesken“, die zwischen dem späten 16. und dem frühen 17. Jahrhundert gestaltet wurden.
Das gegenüberliegende Gebäude, in dem heute das MAR – Regionales Archäologiemuseum untergebracht ist, befand sich vom 16. bis ins 17. Jahrhundert im Besitz der Adelsfamilie Vaudan, die es dem Orden von der Heimsuchung Mariens zur Verfügung stellte.
Im Jahr 1802 mussten die Schwestern des Ordens von der Heimsuchung Mariens das Kloster auf Befehl Napoleons verlassen und das Gebäude wurde infolge unter dem Namen Caserne René de Challant als Kaserne genutzt.
Bevor man den „Pfad der Immunität“ fortsetzt, ist eine kurze Umleitung zu empfehlen: Von der Piazza Roncas aus geht’s in die Via Martinet; nach wenigen Metern tut sich auf der rechten Seite ein Bogendurchgang auf, der auf den Kirchplatz der Kirche des Heiligen Stephanus führt. Diese Kirche liegt beinahe versteckt in einer Ecke außerhalb der alten Stadtmauern, und zwar in einem Teil der Stadt, in dem sich einst die Nekropolis befand. Die Kirche des Heiligen Stephanus ist in ihren Formen einfach, aber reich an Geschichte. Sie weist eine kostbare und von Fresken gezierte Fassade aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie zahlreiche architektonische Elemente aus der Römerzeit auf.
Wenn man dann auf demselben Weg zurückgeht und die Via Forum nimmt, erreicht man den heutigen Platz der Kathedrale. Dieser Platz liegt genau dort, wo sich einst die heilige Anhöhe des Forums befand, auf der die offiziellen Riten und Kultuszeremonien der römischen Kolonie abgehalten wurden. Vom Platz der Kathedrale aus nimmt man Via De Sales und hält man für wenige Meter rechts; kurz danach nimmt man auf der linken Seite die enge Gasse Via Lostan. Obwohl sie unscheinbar wirkt, bietet diese Gasse viele interessante Aspekte: Sie trägt den Namen des Adelsgeschlechts Lostan, das hier ihr Herrenhaus bewohnte. Das Palais, das momentan restauriert wird, ist heute noch an den zwei herabgesetzten Arkadenebenen erkennbar, die typisch für das 17. Jahrhundert sind und den Innenhof zieren.
Von hier aus gelangt man in die Via De Tillier, und zwar genau dort, wo die kleine Kirche San Grato steht, die heute säkularisiert ist und als Ausstellungsort genutzt wird. Ursprünglich galt sie jedoch als wichtiger Veranstaltungsort für die größten städtischen Feierlichkeiten. Die heutige geringe Größe der Kirche ergab sich aus Umbauarbeiten im 19. Jahrhundert. Ursprünglich war die Kapelle, die bereits seit Beginn des 13. Jahrhunderts besteht, größer und der christlichen Tradition entsprechend nach Osten und Westen ausgerichtet. Unser Weg führt weiter in Richtung der Piazza Deffeyes, wo sich das Palais der Regionalregierung befindet, das über den Resten des im Jahr 1773 gegründeten Krankenhauses des Mauritiusordens errichtet wurde.
Wenn man nach links abbiegt und die Via Festaz entlanggeht, gelangt man in die Nähe einer kleinen Kirche. Hier befanden sich einst das Priorat Saint-Bénin sowie das angeschlossene Jungeninternat, das als eines der angesehensten Internate der Savoyen galt. Wenn man die Straße Viale Conseil des Commis in Richtung Piazza Chanoux entlang geht, kann man sich kaum vorstellen, dass sich dort, wo heute das monumentale Rathaus Hôtel de Ville steht, bis Ende des 18. Jahrhunderts eine der größten und schönsten gotischen Kirchen des westlichen Norditaliens befand. Diese Kirche war Teil des Klosters San Francesco, das Amadeus VI. von Savoyen hier 1352 errichten ließ. Im Jahr 1836 wurde das Kloster, das einige Zeit davor noch als Kaserne genutzt wurde, vollständig abgerissen, um an seiner Stelle das moderne neuklassische Rathaus zu errichten; übrig geblieben ist nur eine zehneckige gotische Kapelle, die heute Teil des Caffè Nazionale ist.

 
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