Erbe: Gressoney-Saint-Jean

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Casa Capriata – Hütte Mollino

Architektur  -  Gressoney-Saint-Jean

Die im Dezember 2014 neu eröffnete, über dem Boden “schwebende” Hütte Casa Capriata wartet mit sehr viel Originalität auf. Es handelt sich um eine moderne Neuinterpretation der Walser-Architektur im oberen Gressoney-Tal. Ursprünglich wurde das Projekt vom Architekten Carlo Mollino aus Turin im Jahr 1954 geplant und konnte nun, 60 Jahre später, mit Hilfe eines Wissenschaftlerteams der Universität Politecnico in Turin vollendet werden.

Der Originalentwurf wurde zunächst im Rahmen des Concorso Vetroflex Domus (1951) eingereicht und später bei der X. Triennale von Mailand (1954) als Manifest technologischer Innovation und des Fertigteilbaus präsentiert. Die Idee dahinter war, ein Niedrigenergiehaus ohne Bedarf an fossilen Brennstoffen zu bauen und mit innovativen Baumaterialien und -techniken zu experimentieren.

Im Jahr 2006 nahm eine Gruppe von Wissenschaftlern des Politecnico in Turin, wo Mollino im Jahr 1931 seinen Studienabschluss machte, das Projekt wieder auf, das der italienische Stararchitekt seinen Nachfolgern vermacht hatte. Die Wissenschaftler wollten den Wert und die Aktualität des Projekts aufzeigen und prüften unterschiedliche Varianten der Projektidee unter Einbeziehung neuer technischer Lösungen, an denen der Architekt aus dem Piemont immer höchst interessiert war.

Die Hütte Rifugio Mollino, wie die Casa Capriata zu Ehren ihres Erschaffers umbenannt wurde, liegt auf 2 100 Metern Seehöhe im Schigebiet Weissmatten. Sie ist zu Fuß, auf Skiern oder mit dem Sessellift erreichbar und bietet derzeit einen Restaurant-/Barbetrieb. Inmitten der friedlichen alpinen Landschaft kann dieses architektonische Werk nun ganz im Sinne der idealen Vision von Carlo Mollino bewundert werden. Dieser sagte nämlich über seine Projekte: “Ich bin davon überzeugt, dass die beste Erklärung für die eigene Arbeit die stille Zurschaustellung des Werks ist”.

Die Stadel, uralte Bauten der Walser

Architektur  -  Gressoney-Saint-Jean

Das Lystal wurde seit Ende des Mittelalters wie viele andere, um das Monte Rosa-Massiv verteilte Täler, von deutschsprachigen aus dem oberen Wallis stammenden Volksgruppen bewohnt: den Walsern. Dieses Volk überschritt ab der Mitte des 13. Jahrhunderts die Alpenpässe, wie den Pass am Teodulo (3317 m.) und am Monte Moro (2984 m.), um an den Stirnseiten der Täler vor der Kulisse des Bergmassivs des Monte Rosa kleine Siedlungen zu gründen. Die eng mit ihren Bräuchen und ihrer Sprache, dem “Titsch”, verbundenen Familien, waren auf den Handel von Stoffen spezialisiert und sind für mehrere Jahrhunderte nach Europa ausgewandert. Viele ließen sich im Breisgau (bei Freiburg) und im Norden der Schweiz nieder, blieben aber stets eng mit ihrem Heimattal, dem Gressoney verbunden.

Eine architektonische Spur ihrer Verbreitung stellen die “Stadel” dar, landwirtschaftliche Bauten auf pilzförmigen Säulen mit einem Holzfuß und einem Abschluss, der aus einer großen Steinplatte besteht (im Dialekt der Walser “Musblatte” genannt). Diese Konstruktion sollte den Heuboden vor Feuchtigkeit und Nagetieren schützen. Es handelt sich um große Gebäude aus grob zugehauenen Lärchenstämmen, die an den Ecken durch Kreuzverbindungen (Mis-Bois) zusammengesteckt wurden; sie stützen sich auf einen gemauerten Unterbau, in dem sich der Stall befand. Dieser wurde früher im Winter von den Bauersleuten bewohnt, daneben gab es noch den Keller und natürlich den Flur, über den man über die Treppen nach oben in die komfortablen Wohnräume gelangte, die vollkommen mit Holz vertäfelt waren. Die Stadel reihen sich an den Ufern des Flusses Lys aneinander, gut geschützt vor Erdrutschen und Lawinen, und bilden kleine, von einzelnen Familien genutzte Siedlungen. Diese grenzen hier und da an Ortschaften mit großen Häusern und Villen von Händlern, die im 18. und 19. Jahrhundert reich geworden sind.

Es gibt zahlreiche Dörfer, in denen man diese alten Gebäude besichtigen kann:

Gressoney-La-Trinité:
- Südlich vom Hauptort Gressoney-La-Trinité führt ein sanft ansteigender Weg in einer Stunde zu den Weilern von Alpenzu. Die beiden Siedlungen auf dem einstigen Gletscherplateau direkt am großen Walserweg, der ins Ayas-Tal führt, gleich auf der anderen Seite des Colle Pinter, sind ein gut erhaltenes Beispiel der traditionellen Walserarchitektur. Die Strecke verfügt über herrliche Ausblickspunkte: sie beherrscht das gesamte Lystal und führt durch den magischen Gletschergrund des Monterosa.

Gressoney-Saint-Jean:
- In Noversch zeichnen sich mehrere, von der Familie Zumstein errichtete Stadel durch ihre besondere Struktur aus.
- Das Gleiche gilt für Eckò, deren Stadel im 17. Jahrhundert von der Familie Lischtgi gebaut wurden.
- Greschmattò: Hier befindet sich das älteste Haus, das 1547 in der Ebene von Gressoney-Saint-Jean errichtet wurde, und einst als Gerichtshaus und Gefängnis diente. Bemerkenswert ist auch das “Groalémgsch hus”, das Zollhaus (1626) und das “Schribehus”, das Haus des Notars (1806).
- Tschalvrinò: Ausgedehnte Wälder, Schutzhütten, Stadel und Jagdhäuser der Barone Beck Peccoz, die man über die neue befahrbare Straße von Obre Biel aus erreicht. Am südlichsten Ende der Ortschaft (auf 1772 Höhenmetern) befindet sich eines der ältesten Walser-Dörfer. Wer der Straße weiter zu Fuß folgt, trifft auf zwei Stadel aus den Jahren 1547 und 1578, die auf den charakteristischen Pilzsäulen errichtet wurden.
- Loomattò: Eine typische Ortschaft im Lootal mit einer Gruppe von Häusern aus den Jahren 1689, 1699 und 1773.
- Trebelsch Hus: In der Gegend von Tschòssil, wo drei Häuser auf dem Hauptstützbalken das Datum 1686 tragen. Hier kann ein Brotbackofen von einzigartiger Bauweise besichtigt werden, der von einem Felsen gestützt wird.
- Obre Chaschtal: Ein alter Siedlungskern aus sieben charakteristischen Gebäuden; alle wurden zwischen 1580 und 1710 errichtet.
- Perletoa: Ein ehemals autonomer Ortsteil mit alten Häusern aus den Jahren 1663, 1692, 1697, 1702, 1707, 1714, 1729.
- Drésal: Eine Ansammlung von Häusern aus Stein und Holz; das älteste stammt aus dem Jahr 1587 und hat einen kleinen Anbau aus Stein, in dem sich der Brunnen und der Backofen der Gemeinde befindet.

In der Umgebung von Gaby findet man 37 “Granir”, besser bekannt unter der Bezeichnung “Stadel “. Auch im Sankt-Grato-Tal, im Gemeindegebiet Issime, kann man zahlreiche Stadel bewundern.

Villa Margherita

Architektur  -  Gressoney-Saint-Jean

Das Gebäude wurde im Jahre 1888 nach Plänen und Entwürfen deutscher Ingenieure im Auftrag der Adelsfamilie Beck Peccoz gebaut; von 1889 bis 1896 beherbergte es zahlreiche Mitglieder der Königsfamilie, von denen in Gressoney wohl die Königin Italiens, Margherita von Savoyen, im treuesten Andenken bewahrt wird.
Die Gemeinde von Gressoney-Saint-Jean erwarb den Gebäudekomplex im Jahre 1968, und gestaltete ihn zum Gemeindesitz um.
Der Komplex umfasst mehrere Gebäude: Die als Wohnstatt konzipierte Villa beeindruckt den Besucher sofort durch ihren Reichtum an Turmspitzen, Giebeln, Balustraden und imposanten Balkonen aus grauem Granit. Am Eingang zum Hof befindet sich das Haus der Wächter, welche zu einer Polizeikaserne umgestaltet wurde; auf der Nordseite liegt ein Gebäude, das Wappen und Karossen beherbergte. In der Nordecke befindet sich im Windschatten der Villa eine steinerne Kuppel, die als Eiskeller fungierte. Das gesamte Gebäudeensemble wird von einem 19.000 m2 großen Park umsäumt, der großteils aus Wald mit Lärchen und Tannen besteht.

Interessante Elemente:

  • Die beiden Haupttore aus massivem Eichenholz weisen kunstvoll geschmiedete Eisengitter auf
  • In Eingangshalle mit einem Mosaikfußboden, der an den Stil des berühmten italienischen Architekten Palladio erinnert, kann der Besucher die prächtigen zentralen Holztreppen bewundern, die über schmiedeeiserne Geländer verfügen und deren Decken mit zahlreichen Zierleisten aus Nuss- und Eichenholz versehen sind
  • Der mittlere Flur im ersten Stock, der mit Spiegeln, Sitztruhen und Wandschränken ausgestattet ist, besitzt eine mit zarten, in Öl gemalten Blumenmustern dekorierte Decke
  • Die Säle im ersten Stock sind die schönsten und am besten erhaltenen Räume der Villa: Das Arbeitszimmer an der Südostseite des Hauses hat seine ursprünglichen Möbeln und die originale Einrichtung behalten. Zu dieser Wohneinrichtung zählt auch der wertvolle, 25 m2 große Perserteppich
  • In jedem Raum befinden sich wunderschöne bayrische Kachelöfen aus emaillierter Keramik, die sich alle in Farbe und Form voneinander unterscheiden; es wird behauptet, dass zu ihrer Versorgung ein allein dafür zuständiger Diener notwendig war, und dass der Brennholzverbrauch einen Kubikmeter pro Tag betrug.

Einige Räume sind auf Voranmeldung zu den Öffnungszeiten der Gemeindeämter zu besichtigen.

"D'Socka" - typische Pantoffeln

Handwerkskunst  -  Gressoney-Saint-Jean

“D’Socka” sind sehr warme und bequeme Pantoffeln, die während der langen Wintermonate in liebevoller Kleinarbeit von den Frauen hergestellt wurden. Die Genossenschaft “D’Socka” beschäftigt sich mit der Konservierung und Weitergabe dieser alten Tradition, indem sie das typische Schuhwerk herstellt, das noch heute von den Bewohnern dieses Tals getragen wird.

Die Kooperative stellt auch Geschenkartikel, Wäsche und die traditionellen Trachten von Gressoney mit ihrer goldenen Haube her. Hier werden auch Produkte Valgrisa verkauft.

Für die Öffnungszeiten wenden Sie sich bitte an die unten genannten “Kontakte”.

Schloß Savoyen

Burgen und Türme  -  Gressoney-Saint-Jean

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Die märchenhafte Sommerresidenz der Königin Margherita von Savoyen mit herrlichem Blick auf den Monte Rosa

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Das Schloss der Königin Margherita steht am Fuß des Ranzolapasses an dem Ort, der “Belvedere” genannt wird, weil er das ganze Tal bis zum Lyskamm-Gletscher beherrscht.
Das Gebäude wurde zwischen 1899 (die Grundsteinlegung war am 24. August) und 1904 erbaut. 1981 wurde es von der Autonomen Region Aostatal angekauft.

Der Architekt Emilio Stramucci, der auch den neubarocken Schmuck für den Königspalast von Turin und für den Quirinal in Rom entworfen hat, hat hier ein Schloss im mittelalterlichen Stil geplant, der als “lombardischer Stil” des 15. Jht. beschrieben wird, und der in Frankreich und in Savoyen, von wo die regierenden Souveräne stammten, viel benutzt wurde. Es besteht aus einem zentralen, im Ganzen rechteckigen Zentralkern, an den fünf kleine Spitztürme angebaut sind, von denen jeder verschieden ist. Außen ist das Schloss mit grauem Schnittstein verkleidet, der aus den Steinbrüchen von Chiappey in Gressoney, von Gaby und von Vert stammt.

Das Schloss hat drei Stockwerke: Im Erdgeschoss befinden sich die Tagesräume, in der Bel Etage die königlichen Gemächer und der zweite Stock (der nicht besichtigt werden kann) war den Edelmännern des Hofes vorbehalten. Die Kellerräume wurden als Weinkeller benutzt. Von den ursprünglichen Einrichtungsgegenständen des Schlosses sind nur noch wenige erhalten geblieben, die übrigen Möbel, die man derzeit besichtigen kann und die den eklektischen Stil aufweisen, den die Königin liebte, stammen aus der Villa Margherita, ein Haus in Besitz der Beck Peccoz Barone, wo die Königin, vor dem Schlosses Bau, wohnte. Original sind jedoch die Wandbehänge aus Leinen und Baumwolle, die von einem Chiné-Effekt geziert werden. Die ornamentalen Malereien sind ein Werk des jungen Malers und Restaurators Carlo Cussetti, der dann in der Folge auch im neuen Flügel des Königspalastes von Turin tätig gewesen war. Die Kassettendecken, die Holztäfelungen und die Einrichtungen, die mittelalterlich inspiriert sind, sind ein Werk des Holzschnitzers Dellera aus Turin, der ein Lieferant des Königshauses war.
Im Erdgeschoss führt das Haupttor in einen riesigen Vorraum mit Säulen und einer Kassettendecke mit Gemälden. Von hier aus gelangt man in die anderen Räumlichkeiten. Auf der einen Seite befinden sich die Spielsäle und die Aufenthaltssalons, die mit der halbkreisförmigen Veranda verbunden sind, welche auf das Tal hinaus geht. Auf der gegenüber liegenden Seite liegt der Speisesaal mit reichem Gemäldeschmuck an den Wänden, am Kamin und an den Kassetten der Decke. Er ist mit einer Täfelung mit Pergamentschnitzerei verkleidet. Neugotisch inspiriert ist auch der so genannte “Lakaieneingang” im achteckigen Turm, der an der Nordwestecke liegt.

Eine elegante Holztreppe mit Greifen und Adlern führt zu den königlichen Gemächern, vor denen ein Vorraum liegt, an dessen Decke man den Wunsch lesen kann “Hic manebimus optime” (hier werden wir sehr gut verweilen). Das Gemach der Königin hat die beste Lage: von den Fenstern des reizenden Salons im Nordturm genießt man die Aussicht auf den Monte Rosa und auf das ganze Tal. Die zwischen den Fenstern nur gemalten Vorhänge erinnern an den Schmuck des Herrschaftssaals der Burg von Issogne. Das angrenzende, geräumigere Gemach war für den Erbprinzen Umberto bestimmt. An der gegenüber liegenden Seite des Vorraums liegen die Gemächer des Königs und der Marquise Pes di Villamarina, der Hofdame der Königin.
In einem nahe gelegenen Gebäude, das über einen unterirdischen Gang mit dem Schloss verbunden war, befanden sich die Küchen.

Weitere Nebengabäude sind die Villa Belvedere, ursprünglich ein Gästehaus und königliche Gendarmerie, und das unter dem Namen Romitaggio Carducci bekannte Häuschen, das dem Dichter, Bewunderer und “Minnesänger” der Königin gewidmet ist.
Zu den Füßen des Schlosses wurde ein Steingarten eingerichtet, in dem man viele Arten der alpinen Botanik findet.

Johannes dem Täufer geweihte Pfarrkirche

Kirchen und Kapellen  -  Gressoney-Saint-Jean

Die Pfarrei von Gressoney-Saint-Jean wurde 1660 von Papst Alexander VI. gegründet, der sie aus ihrer Abhängigkeit von der Kirche in Issime löste. Die Kirche wurde, wie aus der gotischen Inschrift auf der Fassade hervorgeht, 1515 auf den Fundamenten einer älteren Kapelle errichtet: “Hoc opus fecerunt magistri Anthon Goyeti de Issima et Cristanus filius eius, anno Domini MDXV”. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jhs. wurde das Bauwerk erhöht und durch das Hinzufügen von zwei asymmetrischen Seitenschiffen vergrößert (das linke ist aufgrund des sich dort erhebenden Glockenturms aus dem 16. Jh. kürzer).

Bemerkenswerte Elemente:

  • das hölzerne Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert
  • die deutschen barocken Goldschmiedearbeiten des kleinen Museums für sakrale Kunst.
  • der Glockenturm: er stammt aus der Zeit vor der im 16. Jh. erfolgten Errichtung der Kirche und wurde im 18. Jh. erneut aufgebaut; die Seiten enden in dreieckigen Giebeln, die eine pyramidenförmige, von einem Kreuz dominierte Kupferspitze aus dem Jahr 1903 stützen;
  • der Kreuzweg: auf das Jahr 1626 zurückgehend, ist er unter einem Säulengang im Vorhof der Kirche aufgenommen; die Freskenmalereien hingegen sind auf eine spätere Zeit datierbar und werden dem Maler aus Gressoney Joseph Anton Christopher Curta (1754-1794) zugeschrieben, der unter anderem das Kreuz in der Pfarrkirche von Verrès und die in Arvier befindliche Madonna des Rosenkranzes schuf. Das wunderschöne Steinkreuz in der Mitte geht auf das Jahr 1735 zurück;
  • an der Fassade befindet sich eine Bronzebüste, die die bei den Einwohnern von Gressoney ausgesprochen beliebte Königin Margarethe von Italien darstellt und am 9. September 1928 in Anwesenheit des Prinzen Umberto von Savoyen feierlich eingeweiht wurde.

Kapellen

Kirchen und Kapellen  -  Gressoney-Saint-Jean

Kapelle von Gresmatten
In der Kapelle von Greschmattò, die der Schmerzensmutter gewidmet ist und auf das Jahr 1852 zurückgeht, wird noch immer am Karfreitag eine heilige Messe gefeiert, bei der das Stabat Mater in deutscher Sprache gesungen wird.
Diese Kapelle unterscheidet sich von den vielen anderen Kapellen in Gressoney durch ihre ockergelbe Farbe und durch den Namen des Heiligen, der mit zwei kleinen Putten auf der Fassade freskiert ist.
Die Kapelle kann nicht besichtigt werden, aber sie liegt an der Straße, die zum Castel Savoia hinaufführt, und ist daher auf jeden Fall einen Besuch wert.

Kapelle von Loo
Die Kapelle von Loo, die dem heiligen Lorenz geweiht ist, befindet sich auf einer Alm in hoher Berglage (2080 m) und kann in zweieinhalb Stunden zu Fuß über den Wanderpfad Nr. 12 erreicht werden, der in Loomatten beginnt.
Die weiße Fassade stammt aus dem Jahr 1682. Jedes Jahr am 10. August, dem Fest des heiligen Lorenz, wird die Heilige Messe gefeiert, eine Tradition, die von der örtlichen Gemeinschaft sehr geschätzt wird.

Kapelle des hl. Joseph
Die Kapelle des hl. Joseph, die auch als Eremitage (Einsiedlerkapelle) bekannt ist, befindet sich nur wenige Gehminuten von der Stadt Gressoney-Saint-Jean entfernt. Sie ist dem Heiligen Joseph gewidmet und stammt wie die meisten Kapellen in Gressoney aus dem 17. Jahrhundert, genauer gesagt aus dem Jahr 1633, und kann nicht besichtigt werden.

Kapelle von Trinò
Diese Kapelle, die der Madonna der Gnaden und der Schmerzensmutter geweiht ist, wurde 1720 errichtet.
An der Fassade der Kapelle befinden sich ein Holzkreuz und eine lateinische Inschrift mit dem Jahr der Errichtung und der Restaurierung. Die Kapelle befindet sich nur wenige Meter von der Regionalstraße in Trinò entfernt. Sie ist nicht geöffnet und kann nicht besichtigt werden.

Kapelle von Eckò
Eine der vielleicht schönsten Kapellen von Gressoney, die Kapelle von Eckò, die dem Heiligen Johannes von Nepomuk und der Schmerzensmutter geweiht ist, wurde 1657 erbaut. Ihre Fassade ist mit wunderschönen Fresken aus dem Jahr 1727 geschmückt.
Sie ist in 20 Minuten zu Fuß von der Ortschaft Noversch aus zu erreichen, oder über den Wanderpfad Nr. 15, der Gressoney-Saint-Jean mit Gressoney-La-Trinité verbindet.
Die Kapelle befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Gressoney Trachtengruppe

Folklore-Gruppen / Blaskapellen / Chöre  -  Gressoney-Saint-Jean

Die 1957 gegründete Gressoneyer Trachtengruppe hat sich die Aufwertung der lokalen Tanztradition und der Volkslieder auf Deutsch und Titsch zum Ziel gesetzt und besteht heute aus einer Kindergruppe, einer Erwachsenengruppe und einigen Musikanten. Sie tritt mit besonderen Choreografien althergebrachter Walsertänze auf und hat im Laufe der Zeit dafür verschiedene Preise und Auszeichnungen erhalten.

Die Folkloregruppe ist sowohl in Italien als auch im Ausland für ihre charakteristische uralte Tracht mit der wertvollen und völlig mit Goldfiligran gestickten Frauenhaube bekannt und gilt – zusammen mit dem Walser Kulturzentrum – als offizielle Behörde, die sich unter anderem für den Schutz dieser kostbaren Volkskleidung einsetzt. Anders als die Frauentracht weist die Männertracht keine jahrhundertealte Tradition auf und wurde erst anlässlich der Gründung der Folkloregruppe eingeführt.

Die Trachtengruppe nimmt an nationalen und internationalen Feiern wie etwa dem Walsertreffen teil und tritt im Rahmen der während des Sommers in Gressoney geplanten Veranstaltungen mehrmals auf. Seit den 90er Jahren organisiert die Folkloregruppe das Bierfest anlässlich des Patronatsfestes von Gressoney-Saint-Jean, ein Fest, das die schönsten germanischen Traditionen aufleben lässt. Ausgeschenkt wird Kühbacher Bier, das jedes Jahr direkt aus der bayrischen Bierbrauerei der aus Gressoney stammenden Barone Beck Peccoz importiert wird. An der Organisation dieser Veranstaltung, die mittlerweile zu einem der berühmtesten Bierfeste Italiens geworden ist, beteiligt sich die gesamte Lokalgemeinschaft.

Alpenfaunamuseum "Beck-Peccoz"

Museen  -  Gressoney-Saint-Jean

Baron Luigi Beck-Peccoz, ein Nachfahre einer “Walser” Adelsfamilie, verfügte in seinem am 11. Februar 1882 in Augsburg abgefassten Testament, dass seine gesamte Trophäensammlung nach Gressoney gebracht werde. Zu diesem Zweck sollte extra ein Gebäude errichtet werden, für welches der Baron eine beträchtliche Summe zur Verfügung stellte.
Seine Brüder und Testamentsvollstrecker Antonio und Carlo ließen zu Beginn des Jahres 1900 im Ortsteil Predeloasch in unmittelbarer Nähe von Villa Margherita in Gressoney-Saint-Jean, ein stattliches Museum errichten.
In den Sälen, die mit Fresken in typisch deutschem Stil bemalt wurden, ließ Egon Beck-Peccoz, Sohn von Antonio, die kostbare und seltene Sammlung mit Jagdtrophäen, antiken Waffen und sonstigen Wertgegenständen der Familie wie Portraits, Gemälde, Bücher und Ausgaben über Alpenflora- und Fauna ausstellen. Das gesamte Bauwerk zusammen mit den Sammlungen der Trophäen und antiken Waffen, wurde 1986 von der Region Aostatal erworben. Das Aostataler Forstamt (Corpo Forestale Valdostano), das mit der Ausstattung des Museumsgebäudes beauftragt wurde, entwarf und realisierte eine neue Anordnung der Museumsräume und kümmerte sich um die Pflege und Instandhaltung der historischen Sammlungen.
Der einstige Wohntrakt im Erdgeschoß wurde vollkommen renoviert und mit Ausstellungsräumen versehen. Die neue, in ein typisch mitteleuropäisches architektonisches Konzept eingefügte Ausstattung wurde so angelegt, dass die wichtigsten wissenschaftlichen Aspekte der einheimischen Tierwelt optimal hervorgehoben werden.

Die Sammlung der Jagdtrophäen
Johann Christoph Beck (1749-1818) war als Angehöriger eines jagdbegeisterten Geschlechts von der Vielfalt an Hörnern und Geweihen beeindruckt, die er auf seinen Reisen jenseits der Alpen angetroffen hatte, während er zuerst aus geschäftlichen Gründen und später als Verpflegungsverantwortlicher für die Truppen Napoleons unterwegs war. Daher erwarb er bei jeder Gelegenheit neue Jagdtrophäen, die seiner Meinung nach mit besonderen Merkmalen gekennzeichnet waren, und unterlag auf diese Art in seinem Unterbewusstsein der aufklärerischen Tendenz seiner Zeit, sämtliche Besonderheiten der Natur zu sammeln und zu katalogisieren. Ihm verdanken wir den ersten und ältesten Teil der Sammlung.
Später vervollständigte sein Sohn Joseph Anton (1808-1882) auf herrliche Art die Sammlung, dies auch dank der neuen Mode jener Epoche, nach der die großen bayerischen Familien ihre Paläste mit fantastischen Jagdtrophäen schmückten, wobei sie eine Art Wettstreit eingingen und in dem Joseph als ungeschlagener Sieger hervorging. Aus diesem Grund erlaubte ihm der bayerische König Ludwig I., als er ihm den Adelstitel verlieh, dem Familienwappen einen Hirsch hinzuzufügen, der später durch einen Steinbock ersetzt wurde, als König Albert seinen Titel im Königsreich von Piemont anerkannte.
Später wurde die Sammlung von Augsburg wieder in den Ursprungsort Gressoney-Saint-Jean verlegt und aus Platzgründen nur unvollständig in dem Haus am unteren Platz ausgestellt, der später Piazza Umberto I. genannt wurde. Die Söhne Luigi, Antonio und Carlo bauten schließlich 1904 das heutige Gebäude.
Die Sammlung besteht aus fast 2000 Exemplaren (Hörner und Geweihe auf Schildern) mit Gämsen, Steinböcken, Hirschen, Rehböcken und zahlreichen anderen Jagdtrophäen einheimischer wie auch exotischer Wildarten. Von besonderem Interesse sind die Exemplare des sibirischen Rehbocks (Capreolus Pygargus) und einer Zuchtmischung aus Ziege und Steinbock.
Die hervorragende Qualität der Trophäen und die interessanten Knochenmissbildungen verschiedener Art und Herkunft, verleihen dieser Sammlung ihre besondere historische und wissenschaftliche Bedeutung.

Die Waffensammlung
Im ersten Stock des Museums befindet sich ein kleines, aber sehr interessantes Waffenarsenal. In den Originalvitrinen ist eine Sammlung langer und kurzer Schusswaffen ausgestellt. Unter den insgesamt 90 Sammelstücken befinden sich normale sowie militärische Waffen.
Von besonderem Interesse sind die Vorderlader und Hinterlader Jagdgewehre. Vorwiegend handelt es sich hierbei um Kombinationswaffen: Kugeln und Schrot, Billing, Drilling und Doppellauf. Die ausgestellten Jagdgewehre sind mit raffinierten Mechanismen ausgestattet, die Gewehrläufe sind aufs Feinste damasziert und die Gewehrkolben aus kostbarem Nussbaumwurzelholz. Die Baskülen und Züngelplatten sind besonders fein mit Jagdszenen graviert. Diese Gewehre sind hervorragend erhalten und kostbare Einzelstücke, mit denen die Barone Beck-Peccoz von Anfang des neunzehnten bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts auf die Jagd gingen.

Die traditionelle Gressoneyer Tracht

Traditionen  -  Gressoney-Saint-Jean

Die traditionelle Tracht von Gressoney gehört zu den schönsten im Aostatal.

Dank alter Bilder und mündlicher Überlieferungen ist bewiesen worden, dass die Gressoneyer Frauentracht einst das Alltagskleid war, das also auch beim Arbeiten getragen wurde.
Selbstverständlich war sie nicht so reich geschmückt wie heute, sondern sie war kürzer und zierlos. Sie wurde aus einem vor Ort hergestellten Stoff (landtuech) zugeschnitten und hatte - wie das heutige Modell - zahlreiche Falten (gére).
Damals hatten die Frauen auch eine Sonntagstracht aus wertvollem Stoff, die aber schwarz, blau oder dunkelviolett war und höhere Faltenansätze hatte.
Auf der weißen hanfenen Bluse trugen die Frauen ein schwarzes Jäckchen (wòlhemd) und ein seidenes Halstuch in lebhaften Farben.
Wenn sie auf den Feldern oder im Stall beschäftigt waren, schürzten die Frauen gewöhnlich ihren Rock auf und, damit man den Unterrock nicht sah, pflegten sie eine breite baumwollene Schürze anzuziehen.
Außerdem hat man nachweisen können, dass viele Frauen einen Filzhut mit breiter Krempe trugen, der oft durch ein im Nacken gebundenes Kopftuch ersetzt wurde. Dieser große Hut schützte sie vor Sonne und Regen.

Im Laufe der Zeit wurden im Alltagsleben andere Kleider benutzt und man erhob die Tracht zum Sonntagskleid. Die heutige Tracht ist lang und mit kostbaren Stickereien und vergoldeten Tressen geschmückt. Die Bluse ist mit Spitzen besetzt. Anders als bei der alten Tracht ist die schwarze Schürze ziemlich eng und mit Stickereien und Spitzen verziert. Das Mieder aus schwarzem Samt ist ein ganz besonderes Kleidungsstück. Im Gegensatz zu dem aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts stammenden Mieder, das lediglich im Zickzack verlaufende Zierelemente aufwies, ist das moderne Mieder mit vergoldeten oder bunten Fäden bestickt und durch folgende Muster gekennzeichnet: Ähren, Edelweiße, Feldblumen oder Arabesken.
Seit dem 19. Jahrhundert hat die Haube immer auch eine Krone (chròn) aus Filigran und Edelsteinen.
Dank ihrem eleganten Schnitt und der hervorragenden Farbkombination war und ist die Gressoneyer Tracht eine der raffiniertesten und meistbewunderten Frauenkleider auf internationaler Ebene.
Außer der althergebrachten roten Tracht (ròtanketò) gibt es die so genannte violette “Trauertracht” (trunanketò), deren Verzierungen nicht vergoldet sind, sondern versilbert.

''La Festa di San Nicola''

Traditionen  -  Gressoney-Saint-Jean

Der Nikolaustag, eines der wohl typischsten Feste der Walser, ist germanischen Ursprungs und findet am 6. Dezember statt.
Auch heute noch erwarten die Kinder ungeduldig “St. Kloas”. Am Vorabend gehen sie von Haus zu Haus und teilen Zettelchen mit ihrem Namen aus. Ihre Frage: “Wird der NIkolaus vorbeikommen?” wird gewöhnlich bejaht; man nimmt die Zettelchen der jungen Besucher und versteckt sie unter einem Teller, den der Heilige im Laufe der Nacht mit Geschenken füllen wird!
In früheren Zeiten war der Nikolaus sehr arm und das, was er mitbrachte, waren lediglich Obst, Nüsse, Haselnüsse, Manddeln, ein paar Bonbons und ab und zu eine Rute für ungehorsame Kinder!
Alles durfte gegessen werden außer den Nüssen, die aufbewahrt wurden, weil man glaubte, sie seien vom Heiligen geweiht worden. Aus diesem Grund pflegte man sie in der Tasche zu tragen, um sich vor jeglicher Gefahr zu schützen.

Das Titsch: der deutsche Dialekt von Gressoney

Traditionen  -  Gressoney-La-Trinité

Außer ihrem besonderen Lebensstil und ihren alten Bräuchen haben die aus der Schweiz ausgewanderten Walser auch ihre Sprache mitgebracht. Es handelt sich um eine Variante des Alemannischen, das wohl die älteste aller deutschen Mundarten ist.
Dieser Dialekt wird zwar noch gesprochen, aber er droht auszusterben. Um dieser Gefahr vorzubeugen, ist die Walsermundart als Schulfach anerkannt worden und das Walser Kulturzentrum organisiert regelmäßig Titsch-Kurse unterschiedlichen Niveaus, an denen jeder teilnehmen darf.
Walser Kulturzentrum
Villa Margherita, 11
11025 Gressoney Saint Jean (AO)
Italien
Telefon: 0125.356248

Le tipiche tradizioni walser per il capodanno

Traditionen  -  Gressoney-La-Trinité

DIE TYPISCHEN WALSERBRÄUCHE ANLÄSSLICH DES NEUJAHRSFESTES
Kurz nach Weihnachten bereiten sich die Gressoneyer auf Neujahr vor. In jedem Haus backt man “chiechene”, d. h. das traditionelle Feingebäck, das um die Jahreswende den Besuchern angeboten wird.
Während des Gottesdienstes am Abend vom 31. Dezember pflegen die Gläubigen das “nujoahrslied” (Neujahrslied) zu singen. Dieses Lied wird am Silvesterabend auch von jenen Sängern unterschiedlichen Alters gesungen, die von Haus zu Haus gehen, um Freunde und Bekannte zu besuchen.
Dass die Gressoneyer Walser an ihren althergebrachten Traditionen immer noch hängen, lässt sich am Beispiel der Dorfkinder verdeutlichen, die selbst an den Neujahrsbräuchen aktiv teilhaben. Am Neujahrstag gehen sie nämlich zu Freunden und Verwandten, um ihnen ein glückliches neues Jahr zu wünschen, und werden dafür meistens mit Dörrobst und Süßigkeiten beschenkt.
Walser Kulturzentrum
Villa Margherita
I-11025 Gressoney Saint Jean (AO)
Italien
Telefon: 0125.356248