Genüsse und Aromen des Gran Paradiso: Cogne und Umgebung

Aymavilles, Cogne, Sarre

Besichtigungsregeln

Wie: im Auto.
Empfohlene Dauer: zwei Tage.
Beste Jahreszeit: das ganze Jahr über (im Sommer können die Almen besucht werden).
Länge: etwa 23 km.

Tour mit Verkostung hervorragender Weine der Region und Erkundung der gastronomischen Vorzüge der Gegend um Cogne, die auf alte Traditionen zurückblickt.

Weine
Das Gebiet des Zentraltals am Gran Paradiso ist für seinen gut entwickelten Weinbau bekannt. Die terrassenförmig angelegten Weingärten zeugen vom Bemühen der Weinbauern, das zur Verfügung stehende Land unter diesen zweifellos nicht einfachen bergigen Bedingungen bestmöglich zu nutzen. Das alpine Klima begünstigt die geschmacklichen und geruchlichen Eigenschaften der lokalen Weine. Die spät gelesenen Trauben unterliegen aufgrund des herbstlichen Wetters großen Temperaturschwankungen. Dieser für Bergregionen typische Umstand fördert die Entstehung von aromatischen Vorgängern in der Traube, welche das Aroma der Weine deutlich intensivieren.

Rotweine: Cornalin, Enfer d’Arvier, Fumin, Gamay, Mayolet, Merlot, Petit Rouge, Pinot Nero, Prëmetta, Syrah, Torrette
Weißweine: Chardonnay, Müller Thurgau, Petite Arvine, Pinot Grigio
Süßweine: Pinot Grigio Spätlese

Käse
Zusätzlich zum Almkäse Fontina DOP, der im gesamten Aostatal erzeugt wird, können weitere Frischkäsesorten (wie etwa Seras) und länger gereifte Käsesorten aus Kuhmilch, Ziegenkäse und sonstige Milchprodukte (Joghurt) genossen werden.

Besonderheiten
Auf jeden Fall sollten Sie unter den typischen Gerichten von Cogne die Seupetta versuchen, eine Suppe mit Reis und Almkäse Fontina DOP. Bei den Süßspeisen sind der Mécoulin, eine Art “Panettone”, der mit Rosinen, Zitronenschale und Rum verfeinert wird, und die Crema di Cogne, ein köstliches Dessert mit Sahne, Zucker, geschmolzener Schokolade und einem Schuss Rum, eine Sünde wert.
Warum aber wird in diesen regionalen Süßspeisen Rum verwendet, nicht gerade ein typisches Produkt des Aostatals wie etwa der Génépy??
Angeblich wurde der erste Zuckerrohrschnaps von einem französischen Ordensbruder, einem gewissen Jean Baptiste Labat, gebrannt. Er verwendete dabei spezielle, im Weinbaugebiet Cognac hergestellte Destillierkolben. Nach und nach verbreitete sich der Genuss dieses Produkts über die Karibik hinaus in allen amerikanischen Kolonien und wurde zu einem gebräuchlichen Tauschprodukt, wenn nicht sogar zu einer richtiggehenden Währung. Im 18. Jahrhundert unterhielt die Gegend um Cogne intensive Handelsbeziehungen mit dem nahe gelegenen Piemont (beide Gebiete befanden sich damals unter französischer Herrschaft), und Rum zählte mit Sicherheit zu den Tauschwaren – auch infolge der wachsenden Zuckernachfrage in Europa. Deshalb erscheint es nicht weiter verwunderlich, warum man in Cogne schon sehr früh lernte, diese aromatische Spirituose einzusetzen.
Die Seupetta di Cogne ist ein altes Traditionsgericht aus dem Aostatal. Es handelt sich dabei um eines der vielen Arme-Leute-Essen der Bergregion. Sie werden mit wenigen Zutaten zubereitet, die den ländlichen Familien traditionell zur Verfügung standen. Eine Sonderstellung nimmt dabei der Reis ein, der kein typisches Erzeugnis aus Cogne ist, sondern gegen Produkte der Almwirtschaft eingetauscht wurde. Da er lange haltbar ist, eignete er sich besonders gut als Lebensmittelreserve für den langen und isolierten Winter am Fuß des Gran Paradiso.
In der vorletzten Juliwoche findet im Dorf Ozein in der Gemeinde Aymavilles, an einer natürlichen Terrasse mit wunderbarer Aussicht gelegen, das Fest der Favò statt, eines Pastagerichts mit Saubohnen. Die Zutaten der köstlichen Favò sind Saubohnen, Fontina, in Butter geröstetes Schwarzbrot, Wurst, Speck und Pasta. Ein duftendes Gläschen Rotwein der Sorte Torrette aus Aymavilles gesellt sich herrlich zu dieser Köstlichkeit.
Besonders an diesem Rezept ist die Saubohne, die normalerweise eher in der Küche des Südens, vor allem der sizilianischen und römischen, Anwendung findet. Die Saubohnen, auch bekannt unter der Bezeichnung “Fleisch der Armen”, haben einen hohen Eiweiß- und einen niedrigen Kaloriengehalt. Ihre kulinarische Tradition reicht sehr weit zurück: Man sagt, die Saubohne sei in Europa bereits in der Bronze- und Eisenzeit verbreitet gewesen, und aus römischer und griechischer Zeit gibt es bereits konkretere Belege. Interessant ist auch, dass schwarze Saubohnen als Grabbeigaben verwendet wurden, da man annahm, in ihnen seien die Seelen der Verstorbenen eingeschlossen. Außerdem glaubte man, dass die Seelen der Toten, die keinen Frieden gefunden hatten, durch den Stängel dieser knotenlosen Pflanze aus der Unterwelt hindurch in die Welt der Menschen gelangen würden. Der lateinische Gelehrte Apicius beschreibt in seinem bekannten Werk De re coquinaria einige Rezepte mit Saubohnen. Im Mittelalter wurden sie zu einem gebräuchlichen Nahrungsmittel der ärmeren Schichten, mit der Entdeckung Amerikas wurde ihr Konsum dann weitgehend durch die von dort importierte Bohne abgelöst. Warum also die Saubohne in der Küche von Ozein eine wichtige Rolle einnimmt, bleibt ein noch zu lösendes Geheimnis. Womöglich geht sie auf römische und mediterrane Einflüsse aus der Zeit zurück, als Caius Avillius Caimus, ein wohlhabender “Unternehmer” aus Padua, am Ende des I. Jhdts. v.Chr. die Erbauung der spektakulären Aquäduktbrücke Pont d’Aël finanzierte. Oder aber es handelt sich einfach um ein Nahrungsmittel, das getrocknet sehr lange gelagert, mit lokalen Erzeugnissen der Almwirtschaft eingetauscht werden konnte und zudem noch einen hohen Nährwert aufwies, der für das harte Leben in den Bergen bestens geeignet war? Wir wissen darauf noch keine sichere Antwort, Sie jedoch können in der Zwischenzeit die beliebte Favò kosten – die Speise ist es auf jeden Fall wert!

Veranstaltungen

Neben dem bereits erwähnten Fest der Favò in Ozein ist die Veranstaltung Veillà in Cogne im Zeichen alter Handwerkskunst eine gute Gelegenheit, typische lokale Spezialitäten kennen zu lernen (Juli und August; in den zur Gemeinde gehörenden Siedlungen finden weitere Veillà statt).
Der Almabtrieb Ende September von den Sommeralmen wird mit einem besonderen Umzug der Viehherden und einem Spezialitäten- und Kunsthandwerksmarkt begangen: Im Rahmen der Devétéya bieten viele Restaurants zum Motto passende Menüs an.

 
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