Aosta: antike Stadt der Römer und faszinierendes Juwel des Mittelalters

Aosta

Besichtigungsregeln

Wie: zu Fuß.
Empfohlene Dauer: ein halber Tag.
Beste Jahreszeit: das ganze Jahr über.
Länge: ca. 4 km.

Die klassische Tour durchs Altstadtzentrum: ein eindrucksvoller Spaziergang durch Zeit und Raum, um die antike römische Kolonie Augusta Praetoria Salassorum und seine zauberhaften Schätze aus der Zeit des Mittelalters zu entdecken.

Das erste Aufeinandertreffen mit der Kolonie, die nach langwierigen und grausamen Kämpfen mit dem hier ansässigen Stamm der Salasser 25 v. Chr. von Kaiser Augustus gegründet wurde, findet an der Kapelle San Rocco am Corso Ivrea statt. Hier befand sich einst die größte Nekropolis der Römerzeit; weiter geht’s zur mächtigen Römerbrücke, die über dem alten Flussbett des Buthier errichtet worden war. Auf diesem Weg gelangt man zu jenem Platz, auf dem sich der Augustusbogen erhebt. Er wurde auf Wunsch des Gründervaters der Augusta Praetoria errichtet, um den endgültigen Sieg über die Salasser deutlich zu machen und die Geburt einer neuen Kolonie zu feiern, die als Reichsbastion jenseits der Alpen dienen sollte.
Der Weg führt weiter durch die Via Sant’Anselmo, den einstigen Decumanus Maximus der Stadt. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass man sich immer noch außerhalb der Stadtmauern befindet und ein Stadtviertel durchquert, das sich hier im Mittelalter entwickelt hat. Ausschlaggebend für die Entwicklung dieses Stadtteils war vor allem der wichtige und berühmte Kirchenkomplex von Sant’Orso, der garantiert einen Besuch wert ist.
Der Kirchenkomplex von Sant’Orso entstand in einem Gebiet, das seit dem Frühmittelalter als Grabstätte genutzt wurde. Da sich hier auch die Gräber lokaler Märtyrer, vor allem aber der ersten Bischöfe befanden, entwickelte sich der Ort im Laufe der Zeit bald zu einer Pilgerstätte. Der Komplex selbst entstand wahrscheinlich rund um wichtige Familiengräber und in unmittelbarer Nähe zur Frühchristlichen Basilika von San Lorenzo. Diese Basilika wurde im 5. Jahrhundert n. Chr. errichtet und konnte ihre lange Geschichte im Untergrund bis heute bewahren: Überaus interessant gestaltet sich ein Besuch der archäologischen Ausgrabungsstätte, wo die Überreste der ersten Grabeskirche museal aufbereitet wurden.
Einen überaus bemerkenswerten Eindruck auf den Betrachter hingegen hinterlässt der imposante Romanische Glockenturm von Sant’Orso, der eigentlich als Verteidigungsturm und Teil der Befestigungsmauer zum Schutz des Siedlungsgebiets errichtet wurde; östlich des Turms steht die Kirche der Heiligen Petrus und Ursus, deren spätgotische Fassade sich durch den emporragenden Terrakotta-Wimperg und die spitzen Zinnen auszeichnet. Im Inneren der Kirche, die von einer Vielzahl an liturgischen Elementen geziert wird, erweckt vor allem die Romanische Krypta (Anfang 11. Jahrhundert) unter dem wunderschönen hölzernen Chorraum Aufmerksamkeit, in der der Heilige Ursus oder Sant’Orso, wie man ihn hier nennt, begraben sein soll (er lebte im 8. Jahrhundert n. Chr.). Kostbar ist auch der ottonische Freskenzyklus des Dachbodens (10. – 11. Jahrhundert), der jedoch nur unter Begleitung eines Aufsehers besichtigt werden kann.
Als weiteres faszinierendes Element gilt das Mosaik, das ein sogenanntes „Magisches Quadrat“ darstellt: ein eleganter Mosaikteppich aus dem 11.-12. Jahrhundert, der 1999 im Zuge von archäologischen Ausgrabungen ans Licht gebracht wurde. Neben der Kirche befindet sich der wunderschöne Kreuzgang: ein wahres Juwel der romanischen Kunst und Architektur, das mit seinen 40 bebilderten Marmorkapitellen das ganze Jahr über Heerscharen von Gelehrten und Besuchern anlockt.
Links vom Kirchplatz kann man beim Verlassen des Kreuzgangs das herrliche Priorat nicht übersehen. Es wurde im Renaissancestil errichtet und erstaunt mit seinen raffinierten und ungewöhnlichen Sprossenfenstern aus geschnitzter Terrakotta.
Zurück in der Via Sant’Anselmo erreicht man nach wenigen Schritten das wunderschöne Stadttor Porta Praetoria. Dieses Stadttor gilt als das imposanteste unter den vier Toren der ursprünglich römischen Stadt, als monumentaler, ideologischer und symbolischer Eingang zur Kolonie Augusta Praetoria Salassorum. Bemerkenswert ist der Nordturm des Tors, der als „Turm der Herren des Tors von Sant’Orso“ bekannt ist und im Laufe des Mittelalters (11. – 12. Jahrhundert) von dieser lokal ansässigen mächtigen Adelsfamilie besetzt wurde, die hier ihren Stadtwohnsitz eingerichtet hatte.

Sobald man die Porta Praetoria verlassen hat, geht es weiter nach rechts zum Römischen Theater ; wir befinden uns hier im Nordosten der antiken Stadt, dem sogenannten „Veranstaltungsviertel“, das aufgrund des imposanten Theaters sowie des nahegelegenen Amphitheaters so genannt wurde. (Das Amphitheater gehört heute zum Klosterkomplex Santa Caterina, kann mit Erlaubnis der Schwestern vom Heiligen Josef aber besichtigt werden).

Nach Verlassen des Theaters in Richtung Westen führt die Route weiter zur Piazza Giovanni XXIII, die besser als „Platz der Kathedrale“ bekannt ist. Dieser Platz galt in römischer Zeit als heilige Zone der Stadtbürger: Hier befand sich eine Anhöhe mit zwei Zwillingstempeln, die nach Süden hin offen waren. Die Überreste des östlichen Tempels sind heute noch zu sehen.

Wer die Stadt anhand ihrer Überreste aus römischer Zeit entdecken möchte, dem kommt rasch die Idee, mit dem Kryptoportikus zu beginnen. Ein einzigartiges und faszinierendes Monument, über das nur wenige Städte der Römerzeit verfügten. Dieser teilweise unterirdisch angelegte Gewölbegang mit zwei Schiffen, der in erster Linie als Stützelement errichtet wurde, hat als Galerie wahrscheinlich auch zur Kaiserverehrung gedient.

Direkt über dem Kryptoportikus wurde die imposante Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale errichtet, die in ihren Ursprüngen bis ins 4. Jahrhundert nach Chr. zurückgeht; auf Wunsch des Bischofs Anselmo wurde die Kirche im 11. Jahrhundert nach dem Modell der nordischen Kathedralen im ottonischen Stil dann stark verändert. Eine letzte Serie von Änderungsarbeiten am Kernelement des Gebäudes zwischen dem 15. und dem 16. Jahrhundert verlieh der Kathedrale ihr endgültiges Aussehen, das sie bis heute beibehalten hat. Zu erwähnen ist auch die neuklassische Fassade, die im Laufe des 19. Jahrhunderts neu errichtet wurde und einen Rahmen zur bemalten Terrakottafront bildet, die aus der Zeit der Renaissance stammt.

Nach dem Besuch der Kathedrale gelangt man über die Via Forum in Richtung der Piazza Roncas. Auf der Ostseite dieses Platzes befindet sich der aktuelle Sitz des regionalen Archäologiemuseums MAR – Museo Archeologico Regionale. Das Gebäude, in dem das Museum heute untergebracht ist, beherbergte einst den Orden von der Heimsuchung Mariens (16. – 17. Jahrhundert) und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts dann zu einer Kaserne gemacht. Nicht zu vergessen ist auch, dass dieses Gebäude sich über den Resten des Ostturms des antiken Porta Principalis sinistra der Stadtmauer von Augusta Praetoria erhebt, die im Untergrund des Museums MAR bestaunt werden können. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes befindet sich das Palais Roncas, das Baron Pierre-Léonard Roncas, erster Staatssekretär des Herzogs von Savoyen Karl Emanuel I., zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichten ließ. Es handelt sich hierbei übrigens um eine der kostbarsten städtischen Adelsresidenzen aus der Barockzeit, die in Aosta zu finden sind.

Von der Piazza Roncas geht’s weiter in die Via Croix de Ville, die zur Kreuzung der beiden Hauptschlagadern des Stadtzentrums führt; wenn man hier nun die Via E. Aubert nimmt, gelangt man zur Regionalbibliothek, die im Jahr 1996 nach komplexen archäologischen Untersuchungen eröffnet wurde, im Rahmen derer die Strukturelemente des Porta Principalis dextera der Römerstadt Aosta entdeckt wurden.

Wenn man nun die Piazza della Repubblica, ein eindeutiges Beispiel für die Architektur des Faschismus, überquert, gelangt man auf den Corso Battaglione; nach einigen Zehnermetern ist unter den Laubengängen rechts eine eiserne Gittertür zu erkennen, die zu einer archäologischen Ausgrabungsstätte mit dem Namen Begrabungszone aus der Porta Decumana führt. Diese Begräbnisstätte, die in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckt wurde, hat zahlreiche Gräber aus römischer Zeit, frühchristliche Gedenkräume und die Überreste einer kleinen Grabeskirche ans Tageslicht gebracht (kann immer nur am ersten Mittwoch des Monats von 14.00 bis 18.00 Uhr besichtigt werden).

Man kehrt auf den eigenen Spuren nun zurück zur Bibliothek und geht hinunter bis zum Turm des Aussätzigen ; von hier nimmt man Via Festaz bis zur Ecke mit dem Kino Splendor, von wo aus man auf der Via Trottechien bis zum Eingang zur charakteristischen Passage du Verger weitergeht, die in die Via Challant und dann weiter in die Via De Tillier führt.
Auf der eleganten Piazza E. Chanoux, auf der das neuklassische Rathaus Hôtel de Ville steht, endet der Spaziergang. Das Rathaus mit seinen luftig hohen Laubengängen wurde dort errichtet, wo sich einst das aus dem 14. Jahrhundert stammende Kloster San Francesco befand. Der antike Klosterkomplex umfasste eine gotische Kirche mit drei Kirchenschiffen, einen fast 40 Meter hohen Glockenturm und einen Kreuzgang; das Kloster blieb bis ins Jahr 1835 fast unverändert, bis dann die Genehmigung zum Abbruch gegeben wurde, um die Bauarbeiten zum Rathaus aufnehmen zu können.
Abgesehen von der reich geschmückten Fassade sind auch die beiden Statuen einen Blick wert, die sich vor dem Laubengang befinden und die beiden Flüsse der Stadt symbolisieren: die Dora und den Buthier.
Westlich vom Rathaus befindet sich das Hôtel des Etats (Anfang 18. Jahrhundert). Man geht die Rue du Collège hinunter, kommt direkt vor dem Zentrum Saint-Bénin an und geht weiter in die Viale della Stazione (Beispiele für faschistische Architektur); der Weg führt hier am Tour du Pailleron entlang und dann die Via Ollietti hoch (Sitz Historisches Regionalarchiv und Gericht). Nachdem man die Via Festaz überquert hat, steht man vor dem einzigartigen halbkreisförmigen Gebäude der Zentralpost, ein weiteres unverwechselbares Beispiel für die Stadtarchitektur des Faschismus.
Von hier führt die Via Porta Pretoria bis zum gleichnamigen Denkmal: Auf dem Weg fällt der Blick auf das Palais Ansermin, barocke Stadtresidenz der Barone von Nus.

 
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